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VFR ans Mittelmeer

Im August 2022 mieteten sich unsere drei Vereinsmitglieder Stefan, Julian und Felix die SR20 der FFG für einen Fliegerurlaub. Lest hier ihren Bericht über diese Reise:

Mittwochmorgen, 6:25 local time. Das Handy summt, ein Telegram von Felix: „Da!“ Kurz und knapp 🙂 Ich schnappe mein Gepäck, letzter Check: Pilotenlizenz, Electronic Flight Bag, Ausweis und Kreditkarte. Alles andere ist unwichtig. Felix steht mit dem Auto vor der Tür und wir fahren zum Flughafen. Die Sonne geht bereits strahlend auf, es ist wolkenloser blauer Himmel. Die YB steht fertig im Hangar, am Abend vorher habe ich schon getankt, Preflight gemacht und die Ausrüstung geladen: 3 Schwimmwesten, ein Rettungsfloss, Bodenanker und Seile, Chocks, Ersatzöl. Jetzt noch mal drainen und ein schneller Rundgang um den Flieger, während dessen kommt Julian in den Hangar.

Ich fliege das erste Leg nach Augsburg zum Refueling. Ursprünglich wollten wir nach Norwegen, nachdem sich unsere bisherigen Auslandsflugerfahrungen auf Tagestrips nach Dänemark beschränken erschien Norwegen der nächste logische Schritt. Die YB ist für 5 Tage mit einer Sonderreservierung gebucht, den Montag danach habe ich noch als Reserve mit einer normalen Buchung drangehängt. In den letzten Wochen war die Tendenz dann aber eher zu wärmeren Gefilden und stabilerem Wetter. Einmal laut ausgesprochen kreiste seit ein paar Wochen dann unwiderruflich das Thema „jenseits der Alpen“ in unseren drei Köpfen herum. Also geht es nun Richtung Süden. Einen in Stein gemeißelten Plan gibt es nicht, aber wir haben in den Tagen vor der Reise diverse Optionen geplant. Für Südtirol, Mittelitalien, Slowenien, Kroatien und Korsika haben wir diverse Flugplätze angeschaut, teilweise bereits Kontakt aufgenommen und Spritverfügbarkeiten geprüft. Aber während der Reise wollen wir spontan entscheiden. Am Abend zuvor fiel die Entscheidung für das erste Etappenziel: Trentino soll es sein und das Wetter erlaubt fraglos das Durchfliegen der Brennerroute. Um 7:45 stehe ich am Abflugpunkt der 08 in Braunschweig und schiebe YB’s Schubhebel sanft nach vorne. Wir starten voller Vorfreude in das erste große Auslandsflugabenteuer.

In Augsburg tanken wir wieder voll, sicher ist sicher. Das Gepäcklimit pro Nase und die Verteilung der Koffer im Flugzeug haben wir für Weight and Balance so festgelegt, dass wir für alle Konfigurationen (je nachdem wer fliegt und wer hinten sitzt) immer volltanken können. Sprit kann man nie genug dabei haben – es sei denn der Flieger steht in Flammen 🙂 Um 10:33 local time startet Julian in Richtung Alpen. Er hat grad vor kurzem die Alpeneinweisung gemacht und damit die meiste Alpenerfahrung an Bord, daher fliegt er das Leg über bzw. durch den Brennerpass. Die Aussicht im Anflug auf die Alpen ist schon spektakulär. Wir nähern uns der Zugspitze und umrunden sie einmal. Es ist brechend voll da oben, der Himmel ist strahlend blau. Was für eine Aussicht.

Weiter geht es Richtung Innsbruck und wir wechseln von Langen zu Innsbruck. Dort funken wir rein um den Durchflug durch die Kontrollzone zu koordinieren, die genau auf der Route liegt. Alles kein Problem, währenddessen sinken wir ein Stückchen tiefer um die Aussicht zu genießen. Als nächstes bekommen wir die Frequenz von Bolzano und sind schon bald im italienischen Luftraum.

Der Funk reicht hier nicht besonders weit, weil sowohl wir als auch die Bodenstation unterhalb der Bergkämme sind. Bozen erreichen wir erst am Funk, als wir den Platz schon fast in Sicht haben. Der Durchflug durch die Kontrollzone wird problemlos koordiniert und wir werden dann an die Frequenz von Trentino weitergereicht. Auch hier dasselbe Spiel, den Kontakt können wir erst herstellen als der Platz schon fast in Sicht ist. Wir fliegen an der Westseite des Tals den Gegenanflug zur Piste 36, es herrscht reger Schleppflugbetrieb. Die YB tönt jetzt immer öfter „Terrain ahead – Pull Up! – Obstacle“ da wir dem Hang relativ nahekommen und hier und da Strommasten rumstehen. Alle sechs Augen schauen aufmerksam raus und dann drehen wir in den Queranflug direkt auf die Stadt zu. Was für eine Ansicht, im Endanflug geht es westlich an der Stadt vorbei mit bester Aussicht auf die Altstadt. Julian konzentriert sich auf die Landung, ich halte schon mal Ausschau nach einem Restaurant 🙂

Nach der Landung geht es an direkt an die Tankstelle und nach kurzem Telefonat mit dem Tower ist auch die Bedienung geklärt und der Sprit fließt in die durstige YB. Danach rollen wir zur Parkposition und schlendern durch das kleine, leere Terminal direkt ins Flughafenrestaurant. Wir bestellen einmal die „kleine“ Brotzeit für zwei (Julian hat noch keinen Hunger) und genießen den Schatten bei gefühlten 40 Grad in der Sonne. Die „kleine“ Brotzeit reicht dann doch locker für uns drei und mundet hervorragend nach diesem spektakulären Leg. Wurst, Käse, Omelett, Salat, Grillgemüse, Hähnchenfleisch – wer mal in Trentino Flughafenrestaurant einkehrt: Ein absoluter Tipp. Jetzt planen wir den weiteren Verlauf. Das Hotel am Flughafen, zu dem auch das Restaurant gehört, sieht gut aus, das buchen wir gleich per App. Warum aufstehen und bewegen in der Hitze? 🙂

Nach einem Cappuccino lassen wir uns von dem Barista ein Taxi bestellen und fahren in die Stadt. Dort machen wir Sightseeing, schlendern durch die Gassen und kehren zum Abend in einer Pizzeria ein. Wir bekommen gleich mit, dass südlich der Alpen die Restaurants zumeist erst um 20:00 Uhr öffnen. Die erste italienische Pizza dieses Trips und das dazu gereichte Bier schmecken jedenfalls hervorragend. Danach geht’s mit dem Taxi zurück ins Hotel.

Den Morgen beginnen wir mit dem Frühstücksbuffet im Hotel und, wie es die kommenden Tage oft so sein wird, den konkreten Flugplanungen. Für heute steht Propriano LFKO auf Korsika auf dem Plan, Felix darf das Leg fliegen. Fix wird der Flugplan gemacht, die Lufträume gecheckt, Höhen geplant, Frequenzen vorsortiert und der Flug mit SkyDemon durchgespielt. Schon marschieren wir über das Vorfeld zur YB. Ziemlich cooles Pilotenleben aus dem Hotelzimmer eine Treppe runter direkt zum eigenen Flieger. Der Pilot richtet sich schon ein, die anderen machen die Checks und verstauen das Gepäck. Jetzt kommen auch die Schwimmwesten zum Einsatz, unser Weg wird uns schließlich rund 180 NM über das Mittelmeer führen. Korsika erhebt sich bis auf gut 8000 ft und die Ostküste der Insel wird durch das Airfield Solenzara der Armée de l’air großräumig mit ED-Rs abgedeckt. Da sehen wir kein sinnvolles Durchkommen und möchten auch gerne auf ein Abfangen durch die Rafales verzichten. Also führt die Route um die Nordspitze von Korsika entlang der Westküste nach Propriano im Südwesten. Aber bereits auf dem italienischen Festland begegnen uns über der Toskana noch Erhebungen bis fast 6000 ft. Der Flug verläuft wider Erwarten vollkommen reibungslos. Mit Blick auf die VFR Karten Italiens erahnte man komplexe Freigaben oder Routenumleitungen wegen der ganzen verschachtelten Lufträume. Vor lauter Linien auf der Karte sieht man ja teilweise kaum noch das Terrain. In der Praxis ist das aber super easy. Beim Start reicht einen der Tower dann direkt an die nächste Frequenz weiter. Dort erklärt man sein Anliegen, aktuelle Position, nächster Wegpunkt, estimated time over, geplante Flughöhe usw. – da hilft übrigens auch der aufgegebene Flugplan nix, ATC will es trotzdem von uns hören. Dann koordinieren die Lotsen aber direkt mit dem nächsten Sektor dass man kommt, auf welcher Höhe man fliegen sollte usw. In der Praxis total stressfrei. Zudem sind die Italiener am Funk auch sehr gut zu verstehen mit ihrem Englisch. Wenn wir auf diesem Trip mal Verständnisprobleme hatten, dann lag das an einer schlechten Funkverbindung aber nie an unverständlichen Lotsen. Der Abflug auf’s Mittelmeer hinaus ist wieder sehenswert. Das ist doch etwas anderes als die Ostsee. Hier und da ein Containerschiff, eine Fähre, Segelyachten und jede Menge Wasser.

Als dann langsam Korsika in Sicht kommt geht’s rüber zu den französischen Lotsen von Marseille Info. Auch hier ein ähnliches Bild. Keine Verständnisprobleme, klares Englisch und immer wieder die ganze Litanei wo man grad ist, wo man glaubt als nächstes sein zu wollen und wann usw. Aber auch hier wird man direkt vom aktuellen Lotsen weiter koordiniert mit dem nächsten. Nordwestlich von Korsika werden wir dann gebeten doch auf 2000 ft zu sinken, sonst müssten wir mit Calvi im Norden und Ajaccio im Westen der Insel funken und den Durchflug koordinieren. Hm … tief an der Westküste entlangfliegen und Sightseeing machen? Kein Problem 🙂 Wenn man solchen Bitten nachkommt bedankt sich ATC in Frankreich und Italien übrigens immer für die freundliche Kooperation, weil ihnen das auch weniger Aufwand macht. Entlang der VFR Meldepunkte NW, W, SA und S geht es dann durch die CTR Ajaccio und dann meldet Felix sich ab und dreht nach Osten Richtung Propriano.

Der Anflug auf Propriano ist dann wieder spektakulär. Eine enge Bucht, es ist Mittag, es weht bereits ein Seewind. Also Einflug an der südlichen Hangseite, YB beschwert sich wieder über das Terrain Ahead. Am Funk antwortet nicht wirklich jemand, aber in der Luft ist wohl ein Absetzflieger unterwegs. Felix macht saubere Positionsmeldungen und der andere Flieger melde ab und zu wann er das Dropping starten wird. Kurz vor dem landseitigen Ende der Bucht vor dem ansteigenden Terrain drehen wir in den Endanflug und genießen den Ausblick über die Piste direkt auf das Mittelmeer, rechter Hand liegt die Stadt in der Bucht.

Nach der Landung rollen wir gleich wieder zum Tanken. Die erste Hürde: Meine Kreditkarte nimmt der Automat nicht, tanken nur mit Total Karte oder EC und auf der EC Karte müssen 600 € verfügbar sein, sonst nimmt der Automat sie nicht. Glücklicherweise haben wir eine passende Karte dabei 🙂 Währenddessen fallen die Springer direkt hinter uns vom Himmel und der Absetzer kommt auch grad wieder rein und lädt die nächsten Springer ein. Wir parken YB auf dem Gras und gehen erstmal in das „Café“ am Platz. Man muss dazu sagen, der Platz ist weit außerhalb der Stadt, man ist quasi mitten im Nix. Es gibt eine Halle wo die Springer sind und ein kleines Bistrogebäude mit teils improvisierten Möbel. Der ganze Platz hat ein wenig Outback-Charme. Uns gefällt es super. Wir trinken ein erstes Willkommensbier an einer als Tisch umfunktionierten Kabeltrommel auf der Terrasse direkt am Vorfeld. Hier ist alles recht basic. Kein Funk, keine Infrastruktur, trotzdem einiges an Betrieb und ein gemütliches Café mit kalten und warmen Getränken im Schatten. Sehr cool.

Jetzt kommen wieder die iPads raus und es wird ein Hotel mit Pool in der Stadt gebucht und ein Taxi geordert. Wir entladen unser Gepäck und fahren zum Hotel. Kurz sortieren und dann ab zum Pool. Wir haben wieder gefühlt 40 Grad in der Sonne. Im Pool gibt es dann Getränke und etwas Sonnenbaden. Abends spielt am Pool ein DJ und das Restaurant serviert ein Menü dazu, aber wir gehen dann lieber in die Stadt zum Hafen runter. Vorbei am Sandstrand zum Fähranleger, etwas einkaufen im Supermarkt und dann ab 20 Uhr ein nettes Restaurant suchen. Heute gibt es französische Pizza und wir machen schon mal einen groben Plan für morgen. Nach Portoroz LIPZ in Slowenien soll es gehen, Julian träumt schon von einem Low Approach in Venedig LIDO und ich schreibe schon mal Reggio Emilia LIDE an wo wir einen Tankstopp einlegen wollen. Reggio antwortet fast sofort, ein beruhigendes Gefühl. Für Sprit ist gesorgt.

Zurück im Hotel bestellen wir uns gleich ein Taxi für den nächsten Morgen, wir wollen zeitig los und das „Café“ am Flugplatz macht um 8:00 auf. Dort wollen wir ein kleines Frühstück einnehmen. Das Taxi ist pünktlich da und wir sind schon 7:30 auf dem Flugplatz und bereiten erstmal YB vor. Danach hat dann auch das Café auf und es gibt frische Croissants und Cappuccino. Ich fliege gleich das Leg nach Reggio und die Route fliegen wir erstmal fast denselben Weg zurück den wir am Vortag gekommen sind. Wir hatten am Abend vorher überlegt Richtung Osten abzufliegen und dann längs über die Insel. Aber es hängen bereits ein paar fettere Wolken über der Insel und man müsste sehr schnell auf 9000 ft kommen um über die Insel zu fliegen und dann sowieso nördlich oder südlich der ED-Rs an der Ostküste großräumig ausweichen. Das erscheint uns unnötig kompliziert. Nun folgt mit BLick auf den Windsack von der Café-Terrasse die konkrete Abflugplanung. Die Pistenrichtung legt man sich hier ja selber fest. Es ist noch früh am Vormittag und wir haben ca 6-8 Knoten Landwind. Die Springer sind schon am Start und gehen trotzdem Richtung Meer raus, dem Turbo ist das egal. Jetzt knattert ein Tragschrauber am Café vorbei, der startet lieber Richtung Osten in gegen den Wind in die Berge. Ich checke schnell noch das POH – nein bei dem Landwind starten wir auch in die Berge hinein und nicht mit Rückenwind auf das flache Wasser hinaus, dafür hat die Piste zu wenig Reserve. Rechts und links sowie in Startrichtung steigt das Gelände zügig auf 1000 ft und dann weiter auf bis zu 2000 ft an. Aber es gibt genug Platz um nach dem Start erst ein Stück nach links auszuholen und dann einen U-Turn nach rechts zu fliegen. Als wir rollbereit sind antwortet (jetzt erwartungsgemäß) niemand am Funk, also melden wir blind unser Vorhaben und rollen zur Piste. Im Gegenanflug sind wir dann schon auf knapp 2000 ft und melden unsere Position an die Springer. Die sind grad irgendwo über uns kurz vor dem Drop. Als wir nach Westen aus der Platzrunde ausfliegen wünschen die uns noch eine gute Weiterreise. Wir fliegen erst weiter in 2000 ft durch die CTR von Ajaccio und weiter die Küste hoch. Abeam Porto Bay sollen wir melden und ich nutze die Gelegenheit gleich um FL85 anzufragen. Dem wird stattgegeben und so verlassen wir Korsika dann über die Nordspitze Richtung Italien.

Wir fliegen nun weiter südlich über die Küste aufs italienische Festland als wir gestern gekommen sind und hier hat die Toskana noch Berge bis zu 7000 ft. Dazu kommen ein paar Wolken über den Gipfeln, so dass ich noch ein wenig mehr nach Süden ausweichen muss. Mit ATC läuft wieder alles wie geschmiert, wir werden aber gebeten bei OLNUK schon deutlich tiefer zu sein und ATC hat den Wunsch, dass wir bei LUPOS noch tiefer sein sollen. Beides ATS Wegpunkte auf unserem Weg nach Reggio. Kurzer Blick auf die Karte, OLNUK liegt knapp hinter der höchsten Erhebung, wir müssen hinter den Gipfeln stark sinken aber das lässt sich machen. ATC ist wie immer erfreut, dass wir dem Wunsch entsprechen werden. In Reggio erwartet man uns schon und gibt uns einen direkten Einflug in den Queranflug zur Piste 11. Zum Leidwesen von Julian kann ich damit nicht „overhead Top Gun“ melden. Dieser Microlight Platz liegt für den direkten Einflug zu weit westlich der CTR von Reggio.

Nach der Landung meldet der Tower Lotse, dass er unseren Flugplan geschlossen hat und es flitzt uns schon die Tankassistentin entgegen und hilft beim Betanken. Im Büro liegen bereits die vorbereiteten Rechnungen. Landegebühr auf meinen Namen, Tankrechnung auf die FFG Adresse. Perfekte Organisation. Allerdings mit 39 € an Landegebühren der teuerste Platz auf unserer Reise. Etwas überraschend aber ok, Reggio ist die Regionalhauptstadt. Im Flughafen gibt es leider kein Café, das nächste Restaurant wäre 10 Minuten Fußmarsch entfernt und Hunger haben wir noch keinen. Also gibt es einen Instant-Cappuccino aus dem Automaten und an einem Tisch im Terminal wird der Flugplan nach Portoroz aufgegeben. Die Flugpläne machen wir übrigens alle über das DFS Portal und die fanden alle zeitnah ihren Weg zu ATC nach Italien, Frankreich und Slowenien. Also muss man sich nicht wirklich mit den jeweiligen Portalen in Italien und Frankreich auseinandersetzen. Dann geht’s wieder raus in die Mittagshitze auf dem Vorfeld. Nun übernimmt Julian das nächste Leg und schon bald sind wir wieder in der Luft und erfreuen uns des problemlosen Weiterreichens von Luftraum zu Luftraum durch die italienischen Lotsen. Bei Padova Approach fragt Julian den Low Approach in Venedig an und die Antwort ist, dass wir es ja versuchen können und auf die Frequenz wechseln sollen. Gesagt getan und direkt eine positive Antwort bekommen. Also fliegen wir nordwestlich von Chioggia Richtung Norden und Julian geht in die Verlängerung des Anflugs der Piste 05 LIDO. Rechts am Fenster gleitet Lido Venezia vorbei, links liegt Venedig und der Markusplatz. Was für eine Aussicht, die Kameras laufen heiß. Dann sind wir über der Graspiste und starten durch. Nach dem Abflug Richtung Nordosten geht es dann auf Kurs über die Adria Richtung Portoroz.

Was soll ich sagen, der Anflug auf Protoroz ist auch wieder ein Leckerbissen. Die Piste 33 ist in Betrieb und wir sollen aus Westen kommend in den rechten Gegenanflug einfliegen. Aus Südosten scheint noch ein anderer Flieger im langen Endanflug zu sein und abeam Midpoint Runway weist uns ATC an Threesixties zu fliegen. Nach 1,5 Kreisen haben wir die andere Maschine in Sicht und ATC gibt den weiteren Gegenanflug frei. Julian fragt die Approach Speed des anderen an, der ist mit 55 Knoten unterwegs, wir verlängern also unseren Gegenanflug. Über dem Final hat man dann abfallendes Gelände Richtung Piste weil die quasi direkt hinter einen Hang liegt. Also auch wieder ein spannender Anflug. Und nun sollten wir gleich erleben, wie man Piloten auf einem Airport wirklich gut willkommen heißen kann. Über Funk haben wir bereits gemeldet, dass wir AvGas tanken wollen. Am Runway Exit wartet bereits ein Follow-Me Golfcart auf uns. Das bringt uns zu unserer Parkposition auf dem Gras südlich des Apron. Kaum dass der Motor aus ist springt von überall her Flughafenpersonal auf YB zu und plötzlich steht ein Tankwagen vor uns. Während wir Aussteigen ist das Bodenpersonal bereits dabei unseren Flieger am Boden zu verzurren, das Tankpersonal ist bereits an den Flügeln mit den Vorbereitungen zu Gange. Als wir von den Tragflächen steigen läuft der frische Sprint in die Tanks. Wir entladen das Gepäck und als die Betankung abgeschlossen ist steigen wir in das Golfcart und werden die zu Fuß ansonsten unerträglich weiten 100 m zum Terminal gefahren.

Im Terminal begrüßt uns eine nette junge Damen mit ehrlicher Freundlichkeit, drückt uns drei Schnapsglase in die Hand und gießt jedem eine Ladung Jet-1A ins Glas der sich die Kehle runterbrennt. Willkommen in Protoroz. Dann gibt es noch eine Flasche Wasser mit Flughafenlogo für jeden und man wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt. Im Terminal steht auch eine Fotowand mit Papa-Pilot, Mama-Pilot und Kind-Pilot von man sich dahinter stellen und das jeweilige Gesicht ausfüllen kann. Wir sind 3 Mann, passt. Die nette Dame vom Empfang macht das Foto von uns 🙂 Dann geht’s vorbei an einem Fanshop mit LJPZ Airport T-Shirts und Pilotenbedarf (gesamte Design4Pilots Produktpalette) gehen wir aus dem Terminal. Felix hat bereits ein Hotel fußläufig vom Flugplatz gebucht – mit Pool. Die eigentliche Stadt liegt relativ weit weg, daher bleiben wir diesmal wieder in Flughafennähe.

Am Hotel angekommen müssen wir erstmal die „Rezeption“ finden, die es – Spoiler – nicht gibt. Auf der Ebene direkt von der Straße aus sind wir erstmal falsch und stehen bei einer älteren Dame in der Küche die grad einen Teig knetet. Mit Händen und Füssen weist sie uns den Weg über die Außen Treppe eine Etage tiefer. Ok, da ist der Pool und die Zimmer. Am Pool liegen schon ein paar Gäste im Schatten und deuten noch eine weitere Ebene tiefer, die halbe Treppe hinter dem Pool runter. Da gibt es einen Sitzbereich mit Tischen außen und auch einen Innenbereich und dort treffen wir auf (The) Rock – der die ganze Zeit verspiegelte Sonnenbrille trägt und den Laden schmeißt. Hier werden wir herzlich empfangen und er zeigt uns die Zimmer. Bisher hatten wir immer ein Familienzimmer bekommen, hier gab es aber nur Doppelzimmer. Wir rotieren auch immer wer das Einzelbett haben darf, heute bin ich dran also habe ich diesmal ein Einzelzimmer 🙂 Es ist auch hier gefühlte 40 Grad im Schatten, also nur kurz auf die Zimmer und dann treffen am Pool. Als wir uns auf der Poolterrasse niederlassen ist sofort The Rock mit 3 Bier da, er wisse was wir jetzt brauchen. Guter Mann. Danach wird im Pool geplanscht, natürlich nutzen wir auch die vorhandenen Chill-Schwäne zum Dümpeln im Pool.

Danach gibt es noch einen Cappuccino am Pool und The Rock bestellt uns ein Taxi in die City bei „seinem Kumpel“. Und wir lernen: Zeitangaben sind hier eher ein grober Richtwert und decken sich nicht unbedingt mit dem, was man auf seiner Uhr sehen kann. Irgendwann ist das Taxi dann da. Wir wollten eigentlich nach Porotroz Downtown, aber The Rock sagte schon: „Ne, das ist nur für Touris. Fahrt nach Piran, das ist City.“ Sein Taxikumpel sagt das gleiche, also lassen wir uns nach Piran fahren. Und da ist es wirklich nett. Die Fahrt durch Portoroz offenbar tatsächlich auch nur eine Touristenmeile mit Hotels, Casinos, Kindervergnügungszone etc. Piran scheint uns hier tatsächlich die eigentliche Stadt zu sein. Eine sehr schöne mediterrane Altstadt (an der Adria) noch dazu. Wir spazieren am Hafen entlang und dann hoch zur Kathedrale die eine schöne Aussicht auf die Adria bietet. Danach geht es wieder runter zur Promenade und wir suchen uns ein nettes Restaurant.

Frisch gestärkt beginnt nun nochmals die Planung für den morgigen Samstag. Es hat sich leider bewahrheitet, was sich schon seit 2 Tagen angekündigt hat: Eine nahezu stationäre Kaltfront mit viel frischer, labiler, hochreichender feuchter Luft bewegt sich im Schneckentempo von West nach Ost und soll morgen von südlich der Alpen bis hoch nach Dänemark reichen. Der eigentliche Plan war morgen nach Salzburg und am Sonntag zurück nach Braunschweig zu fliegen. Aber auch jetzt am Abend ist weiterhin gar nicht absehbar ob das überhaupt funktionieren wird. Die Chancen stehen eher 30:70 dagegen. Auch weiter nach Osten Richtung Graz und Wien auszuweichen würde nur funktionieren, wenn man sehr früh loskommt und dann ist man ggfs auch im nachrückenden Wetter gefangen. Die Vorhersage für Sonntag sieht auch so aus, dass die Front bleibt wo sie ist mit hochreichenden Wolken und Gewitter. Wir entscheiden, dass wir morgen früh zeitig aufstehen und das dann vorherrschte Wetter betrachten. Zum Frühstück soll sich jeder erstmal für sich Gedanken gemacht haben über einen Plan – quasi Risky-Shift Vermeidung da im Moment alle sehr auf Salzburg fixiert sind. Mit dem Taxi geht es dann zurück ins Hotel. Ich wälze noch eine Stunde Wetterberichte und komme zu der Erkenntnis, dass sich das vor morgen früh gar nicht entscheiden lässt und sehe uns schon den Joker-Montag für den Rückweg nutzen und noch zwei Tage hier bleiben.

Am nächsten Morgen bin ich schon früh wach und schaue wieder auf das Wetter. Leider kaum eine Änderung. Wenn man früh startet sind die Chancen meiner Meinung nach weiterhin nur 30 % dass man es mit einem frühen Start nach Salzburg schafft. Also plane ich eine Route nach Westen um auf die andere Seite der Front zu kommen. Die Route führt über die Adria, Italien (ab Bologna und südlich soll das Wetter gut bleiben) und dann über das Mittelmeer Richtung Nizza um dann hinter den hohen Alpenkämmen nach Norden Richtung Frankreich einzubiegen. Ein ganz schöner Ritt, aber aus meiner Sicht die 100 % Variante. Beim Frühstück diskutieren wir die Optionen. Die Variante Richtung Salzburg könnte man versuchen, müsste aber im Worst Case umdrehen und säßen dann wieder in Protoroz. Und auch hier soll das Wetter am Samstagabend doof werden. Also entscheiden wir uns für die Westroute. Felix plant bereits Details ein und Julian wirft Lyon als Tagesziel ins Rennen. Das finden alle gut. Man könnte in Albenga an der Riviera Zwischenstopp machen, aber am Ende motivieren wir Felix den ganzen Weg nach Lyon in einem Leg in Angriff zu nehmen.

Ein Hoch übrigens auf SkyDemon. Wir haben die gesamte Flugplanung immer mit SkyDemon gemacht, in der Regel der Pilot des jeweiligen Legs. Kurz vor dem Start haben wir die dann mit den anderen gesynced, so dass jeder den Plan im Flugzeug vor sich hatte und ggfs mit Frequenzen und Lufträumen helfen konnte. Papierkarten hatten wir dabei, haben die aber nie rausgeholt. Nachdem die Entscheidung gefallen ist packen wir unsere Sachen und marschieren zum Flughafen. Es ist wieder eine nette junge Dame da und macht die Abrechnung, dann gehen wir zur YB und checken sie durch. In Portoroz muss man den Startup auch als VFR Flieger beim Tower anfragen wegen der Springer und wir müssen tatsächlich auch knapp 7 Minuten warten auf die Freigabe, weil grad Springer abgeworfen wurden die dann 20 m entfernt von uns landen.

Danach startet Felix auf der 33 Richtung Nordwesten. Obwohl wir eigentlich nach Westen wollen müssen wir doch Richtung Norden aus der CTR ausfliegen und drehen dann erst nach Westen. Als wir das italienische Festland erreichen ist das Wetter noch ok, unsere Route führt uns leicht nördlich an Bologna vorbei, dort soll das Wetter aber im Laufe des Vormittags Regen und Gewitter bringen. Je weiter wir aber nach Westen kommen desto mehr zeigt sich, dass das Wetter sich bereits jetzt entwickelt und auch bis weit in Richtung Süden mittlerweile eine Tendenz von scattered in Richtung broken da zu sein scheint. Über der Mitte von Italien beginnt dann der Slalom um die sich entwickelnden Wolkentürme. Kurz vor der Mittelmeerküste sind wir dann auch zeitweise im Sandwich mit einer geschlossenen Wolkendecke über uns, einer broken Wolkendecke unter uns und dem einen oder anderen Wolkenturm dazwischen. Über dem Mittelmeer zeigte das Wetterradar aber keine Wolken und das bewahrheitet sich dann auch zumindest größtenteils. Richtung Küste geblickt sieht man aber die ganze italienische Küste bis zur Riviera hoch kaum einen Flecken Land über dem nicht schon Wolken rumhängen. Wie heißt es so schön: Man fliegt nicht das Wetter das geplant ist, sondern das Wetter das tatsächlich da ist.

Südlich der Genova Kontrollzone erreichen wir südlich von Chiavari das Mittelmeer und fliegen dann auf Albenga zu. Die Alpen reichen bis kurz vor Nizza noch in beachtlicher Höhe bis an das Meer heran und darüber liegen auch spannende Wolken. Irgdenwann muss nun die Entscheidung fallen von on-top zu below zu wechseln. Bei Cannes geht Felix dann auf ca 5500 ft und wir mogeln uns unter den Wolken und zwischen, unter und über ED-Rs durch die Täler. Hier ist Copilot Julian gefragt das Gelände voraus zu planen während Felix die Wolken im Blick hat. Ich sitze auf der Rückbank und update zum jeweils nächstbesten Alternate.

Am Montagne de Chamouse passieren wir die Erhöhung von 5026 ft mit 1200 ft Clearance, danach wird das Terrain dann sukzessive flacher und die Wolkendecke über uns lichter. Am ATS Wegpunkt BEPER umfliegen wir noch Le Veyou mit einer Erhebung bis zu 5213 ft und danach können wir dann auf 2500 ft sinken und die französische Landschaft genießen. Jetzt sind weder Terrain noch Wolken ein Faktor den man verstärkt im Auge behalten muss. Von ATC haben wir schon seit kurz hinter Nizza nichts mehr gehört und gehen jetzt einfach auf die nächste Frequenz.

Nun vergeht die Zeit wie im Fluge und wir sind im Anflug auf Lyon. Dort gibt es einen großen Verkehrsflughafen und einen großen Business/GA-Flughafen. Letzteren hat Julian aufgrund der netten ICAO Kennung LFLY ausgesucht 🙂  Felix hat sich die VFR Einflugpunkte NW oder S und SA bereits eingeplant, aber statt dessen bekommen wir ein „fly direct bravo romeo and report final runway 34“ ähm … „Standby“. Jetzt suchen 3 Augenpaare „bravo romeo“ – der bereits knapp 3,5 h dauernde Flug durch das spannende Wetter und Terrain hat Spuren hinterlassen. Felix entdeckt schließlich das NDB BR direkt im Anflug auf die Piste und liest das entsprechend zurück. Die Landung in schönstem Wetter bei strahlend blauem Himmel verläuft ereignislos, wir tanken gleich und parken dann auf dem Apron. Im Moment wollen wir noch nicht entscheiden wie es weitergeht und laufen erstmal den langen Weg zum Business Terminal um im Flughafenrestaurant einzukehren.

Bei einem kühlen alkoholfreien Drink werden wieder die Wetterberichte gewälzt. Das Wetter in Deutschland sieht aktuell weiterhin nicht wirklich berauschend aus. Vom östlichen Frankreich bis nach Polen hat man overcast oder broken um die 2000 ft. Manchmal auch tiefer. Also buchen wir ein Hotel direkt am Flughafen und spazieren wieder zum Business Terminal um unser Gepäck zu holen und marschieren ins Hotel.

Im Hotel organisiert Felix noch 3 kühle Biere von der Rezeption und alle haben erstmal eine halbe Stunde Pause. Danach rufen wir uns ein Taxi und fahren nach Lyon rein. Dort spazieren wir durch die City weiter zur Altstadt im Westen, hoch zur Notre-Dame de Fourviere und zum Amphietheater zusammen mit Menschenmassen an Touristen und Einheimischen. Eine nette Aussicht über die Stadt gibt es da oben auch. Etwas surreal ist das Kinderkaroussel am Notre-Dame und die Snackstände, hier steht wohl deutlich der touristische Aspekt im Vordergrund. Auf dem Rückweg kehren wir in der Altstadt in einem netten, kleinen italienischen Restaurant ein. Nach der Stärkung mit leckerer Pizza und Pasta folgt die obligatorische Planung für den morgigen Tag. Das Wetter wird insgesamt sehr akzeptabel sein. Julian wird das erste Leg nach Koblenz fliegen wo es einen guten Griechen geben soll, und ich fliege dann das letzte Leg zurück nach Braunschweig damit am Ende alle round about auf dieselbe Flugzeit kommen. Mit einem fertigen Plan geht es via Taxi zurück ins Hotel.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist sehr gut. Nichts Außergewöhnliches, aber frisch Französisch. Also Baguette und Croissants, Marmelade, Nutella, Wurst und Käse, etwas Obst … so is(s)t Frankreich 🙂  Derart gestärkt geht es dann zum Business Terminal. Vor dem Terminal stehen ein paar Leute mit Kamera rum, komisch. Im Terminal wuseln dann ganz viele Leute in kurzen Sporthosen und blauen Trikots herum. Was steht da auf den Trikots? Olympique Lyon … die scheinen wichtig zu sein 🙂 Als Nicht-Fußballfans können wir einfach ganz cool durch die Menge schreiten „Nein, ich brauche kein Autogramm, ich möchte nur durch zu meinem Flugzeug, aber danke“ *g*  Felix fragt am Tresen im Terminal noch mal, ob er nicht schon vor Ort bezahlen könnte. Aber das ist nicht möglich. Die Abwicklung passiert für die „Businessflieger“ erst im nachhinein und es steht ein wenig die Angst im Raum, dass der Preis recht hoch ausfallen wird trotz aller Beteuerungen der netten Dame, dass das nicht so sein wird. Am Ende gab es aber tatsächlich nach ein paar Tagen eine Rechnung über gerade mal schlappe 28,11 € für die Landung und Overnight Parking. Wow. Nun schieben wir uns durch die Fußballer zum luftseitig Ausgang. Den Flieger für die Mannschaft begaffen wir dann doch ein wenig neidisch, dahinter steht noch ein kleiner Düsen-Flitzer. Vermutlich fliegt der Manager separat.

In mittlerweile geübter Manier schlendern wir dann zur YB, Verladen unser Gepäck und teilen Cockpitvorbereitung und PFC stillschweigend auf. Danach gibt es noch ein paar gestellte Szene vom Boarding, YouTube möchte ja schließlich auch noch gefüttert werden und Felix hatte extra ein Stativ mitgenommen, welches bis dato nicht zum Einsatz kam.

Der Flug nach Koblenz ist erstmal ereignislos, die Kontrollzonen Nancy und Metz sind am Vormittag noch gar nicht aktiv und südöstlich von Louxembourg ELLX sollen wir auf deren Frequenz mithören, weil der abgehende Verkehr in unsere Richtung startet. Den einen oder anderen Airliner sehen wir dann auch über uns wegsteigen. Kurz vor dem Einflug in die Platzrunde Koblenz meldet unser Transponder eine Failure, Julian kommuniziert das weiter an den Turm. Der Anflug auf Koblenz ist wieder sehr sehenswert, da der Flugplatz auf einem Hang direkt an der Mosel liegt. Es ist ziemlich voll, Verkehr in der Platzrunde, viele Flieger am Boden.

Am Boden fahren wir YB runter und schalten dann die Avionik noch mal ein, der Transponder funktioniert wieder. Beruhigt gehen wir direkt zum Griechen am Vorfeld. Meine Treibstoffplanung erfordert kein weiteres Auftanken mehr, das Wetter in Braunschweig soll bei few bleiben. Wir essen eine Kleinigkeit und machen uns dann wieder auf zum Flieger. Nach einem kurzen Check stehen wir schon bald ready am Rollhalt, es sind noch zwei Maschinen im Anflug, die warte ich noch ab. Derweil brummt mein Telefon: Ein gewisser Torsten Orlowsky von der FFG ruft an. Hm … passt grad nicht. Kurz danach plingt ein Telegram auf dem iPad rein: „Seid ihr in Koblenz? Wir sitzen grad beim Griechen auf der Terrasse.“ Tja, bad timing wir haben uns um 10 Minuten verpasst. Die Welt ist doch klein. Der erste der beiden Flieger kommt grad über die Schwelle, also wieder Konzentration auf den Abflug. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Torsten grad auf einer Motorrad Tour war, die Truppe dann am Flugplatz einkehrte und er die YB kurz auf dem Vorfeld gesehen hat nachdem er das vertraute Schnurren des Lycoming gehört hatte. Wir starten auf der 06 in Koblenz bei leicht turbulentem Wind, drehen vor Koblenz erstmal nach Nordwesten weg und steigen auf 5500 ft um unter der SCT Wolkendecke zu bleiben. Nach zwei, drei Sichtungen von Segel- und Motorfliegern steige ich dann aber kurz hinter Siegerland lieber on-top auf 7500 ft und muss kurz hinter Allendorf wegen des ansteigenden Ceilings auf 8500 ft korrigieren. 500 ft unter Luftraum C möchte ich nicht rumfliegen, daher lässt sich wolkenbedingt nun die Halbkreisregel für Flughöhen nicht mehr anwenden. Die Wolkendecke wird unter uns und westlich langsam immer dichter und steigt über Kassel nochmal deutlich an. Über Braunschweig herrschen allerdings FEW Bedingungen also steige zunächst doch weiter auf 9300 ft bis ersichtlich wird, dass das in ein paar Meilen auch nicht mehr reichen wird und so weiche ich zu der lockereren Bewölkung aus und schraube mich in Rechtskurven auf 6500 ft herunter bis wir wieder unter dem Ceiling sind. So im Bereich Bad Gandersheim ist dann generell wieder nur noch lockere Bewölkerung, allerdings wieder tiefer so dass ich auf 4500 ft westlich den Harz passiere. FIS weist uns noch auf ein Event am Segelflugplatz Salzgittersee hin, das hatte ich in den NOTAMS auch schon gesehen. Da scheint aber sehr viel Betrieb zu sein also weichen wir gleich nach Osten aus und fliegen über die Echo Strecke in Braunschweig ein.

Wir entladen das Gepäck und beginnen mit dem Putzen. Da hat sich einiges angesammelt an Insekten auf den Leading Edges. Nebenbei folgt bereits die Bewertung. Alle fanden die Reise super und haben einen Sack voller schöner Erinnerungen im Gepäck. Jeder Flugplatz, den wir besucht haben hatte seinen ganz eigenen Charme, ebenso wie jedes Hotel und jede Stadt auf der Reise. So auch jedes Wetter, das wir beflogen haben. Und noch eine weitere Erkenntnis: Europa ist für uns auf einmal sehr viel kleiner geworden und es VFR zu befliegen ist auch gar nicht schwer.

Und noch ein paar Zahlen:

3.008 € Kosten für Flugstunden

1.393 € Kosten für Hotels, Essen etc

2.130 nm Flugstrecke

507 nm längstes Leg (Protoroz -> Lyon)

455 nm über das Mittelmeer

134 nm über die Adria

15,5 h Flugzeit

6 Länder an 5 Tagen -> Bayern, Südtirol, Korsika, Italien, Slowenien, Frankreich 🙂

3 Piloten

3 iPads mit SkyDemon

3 Schwimmwesten

1 Flugzeug

1 Rettungsfloss

 

Bericht von Stefan,Julian und Felix

hier folgen noch die einzelnen Fluglegs als Screenshots aus SkyDemon

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Flug-Förderungsgemeinschaft e.V.

Die Flug-Förderungsgemeinschaft e.V. (kurz: FFG) ist ein gemeinnütziger Verein mit über 100 Piloten und vielen Förder-Mitgliedern am Forschungsflughafen Braunschweig. Das Ziel des Vereins ist die Förderung des Fliegens. Dieses Ziel wird insbesondere dadurch erreicht, Luftsport-Interessierte in unserer eigenen Flugschule zum Piloten auszubilden.

© 2022 – Flug-Förderungsgemeinschaft e.V.

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